#50 // Willkommen im neuen Alltag

Seit Ewigkeiten nehme ich mir einen neuen Bericht vor. Die Kita hat Anfang September angefangen und mittlerweile gehen sie schon 1,5 Monate dahin! Die Eingewöhnung hat mein Mann gemacht, da ich bereits wieder arbeiten bin. Und es war, wie zu erwarten, komplikationslos. Lena war vom ersten Tag an glücklich dort und spielte und suchte Kontakt zu anderen Kindern und den Erziehern. Jonas hat etwas länger gebraucht, ließ sich aber auch von Anfang an gut beruhigen. Drei Tage mit kompletter Begleitung für eine Stunde, dann die erste kurze Trennung am vierten Tag, die sehr schnell immer mehr wurde. Und jetzt bringen wir sie um 7 Uhr hin und holen sie meist gegen 15 Uhr ab. Sie sind müde vom Alltag und es tut mir wirklich weh, sie so lange dort lassen zu müssen. Zuhause merkt man aber kaum einen Unterschied zu vorher. Es scheint sie kaum zu belasten. Bis auf die Tatsache, dass sie wirklich sehr müde sind. Seit Kitabeginn haben wir nur noch einen Mittagsschlaf. Wenn sie ausschlafen können schlafen sie bis 6 oder 7 Uhr, mittags 1 – 1,5 Stunden und um 18 Uhr fallen sie völlig erschöpft ins Bett. Nachmittags holen wir ganz viel nach, was wir am Vormittag verpasst haben. Kuscheln, rumtoben, gemeinsam spielen. Beobachten, was sie alles neues können. Kurz vor Kitabeginn haben sie ersten Schritte gemacht, seit der Kita liefen sie immer schneller immer selbstständiger und man merkt, dass sie von den älteren Kindern profitieren. Sie bewegen sich nun zu Musik mit einstudierten Bewegungen, versuchen immer mehr zu reden und kommunizieren ganz anders mit uns. Jonas ist endlich viel entspannter als vorher und mittlerweile darf auch ich mit ihm kuscheln (vorher ausschließlich Papa!). Lenas bestes Wort ist „bitte“ und sie wird nicht müde es immer zu sagen.

Für mich ist der neue Alltag eine Umstellung gewesen. Ich arbeite und bin mit den Gedanken nur bei der Arbeit. Danach beeile ich mich nach Hause, weil ich die Kinder am liebsten mit abholen gehen möchte. Donnerstag bleib ich jedoch länger und bereite meine Schultage vor. Freitags bin ich in der Uni und studiere Sonderpädagogik. Es funktioniert alles irgendwie, mit einem Terminkalender und einem durchgetakteten Tagesablauf. Vermutlich ist es auch das, was den Kindern Sicherheit gibt: sie wissen genau, wann was passiert und es ist an jedem Tag das gleiche.

Kindkrank waren wir mittlerweile auch. Oft am Wochenende, einmal unter der Woche. Eine fiebrige Erkältung legte uns nacheinander flach. Lena konnte in die Kita, Jonas blieb zuhause und das tat richtig gut. Für beide. Lena mal ohne ihren Bruder, Jonas mal die ganze Mamaaufmerksamkeit alleine.

Ich genieße es, wie der Alltag immer entspannter wird. Sie schlafen öfter auch mal eine Nacht komplett durch, wir haben uns von Breien und Milchpulver verabschiedet, sie essen ganz normal und trinken normale Milch, wenn sie denn welche benötigen. Sie können nun die Treppen alleine rauf und runter gehen (oder rutschen… wenn sie denn wollen….), laufen alleine durch die Gegend und werden immer selbstständiger. Aber gleichzeitig denke ich gerne an die Babyzeit zurück. An diese kleinen Wesen, die mich völlig überfordert haben, mich in die Verzweiflung getrieben haben und doch so unglaublich liebenswürdig waren und aus mir einen völlig neuen Menschen gemacht haben. Ich denke noch immer oft zurück an die Schwangerschaft, die ganze Vorfreude, an die Geburt, die nicht so lief wie gehofft, mit der ich jedoch mittlerweile meinen Frieden geschlossen habe (Vergessen sei dank!). Ich vermisse die Babykurse, den intensiven Austausch mit anderen Müttern im persönlichen Gespräch, für den man jetzt kaum noch Zeit hat. Die vielen Spaziergänge im Kinderwagen. Bei vielem denke ich, wie viel einfacher es gewesen wäre, wenn wir nur ein Kind bekommen hätten. Wie viel entspannter es gewesen wäre. Aber gleichzeitig ist es auch wieder so etwas schönes besonderes, Zwillinge zu haben!

Es sind nun fast 15 Monate Zwillinge. Fast 15 Monate Mama sein. Fast 15 Monate Familie sein. Rückblickend finde ich, dass ich da wirklich entspannt durch die Zeit gegangen bin. Ich vermisse nichts aus der Zeit vor ihnen (manchmal meine intensiven Sportphasen, als ich täglich gehen konnte… aber das wars auch!). Sie waren mein riesengroßer Herzenswunsch, der mir erfüllt wurde (also… ein Kind war der Wunsch… nicht Zwillinge zu haben!) und für den ich jeden Tag einfach nur dankbar bin. Dankbar für eine komplikationslose Schwangerschaft, Babyzeit, Kleinkinderzeit bis hierhin. Zwei gesunde Kinder, die mich täglich zum Lachen bringen, mir Emotionen zeigen in einem Ausmaß, das ich vorher nicht kannte. Die mich vor Verzweiflung schreien lassen, bis ich heiser bin. Die mir Tränen in die Augen treiben – meistens vor Glück.

Ich bereue nichts. Keinen einzigen Tag.

# 49 // Vom ersten Geburtstag und dem Arbeitsbeginn

Ende Juli war der große Tag gekommen: der erste Geburtstag der Zwillinge! Ein Jahr soll das ganze nun her sein? Wenn ich vorher daran gedacht hab, war ich sehr emotional. Es kam vieles wieder hoch: die Stunden vorher im Krankenhaus, der Geburtsablauf, das erste Sehen, das erste Kennenlernen, die ersten Momente mit zwei neugeborenen Menschen. Das große Glück, das letztendlich alles Negative aus diesen Tagen verdrängt hat. Letztendlich zumindest. Der erste Geburtstag hatte noch den Vorteil, dass ich ganz offen Kuchen backen konnte und auch die Geschenke nicht groß versteckt werden mussten, weil sie damit eh noch nichts anfangen können. So backte ich einen bunten Zitronenkuchen mit Schokoglasur und dekorierte mit Smarties eine bunte 1 drauf. Als die beiden im Bett waren baute ich die Holzeisenbahn auf dem Boden auf, zusammen mit dem Kuchen und dem Geburtstagsring.

Am nächsten Morgen gingen wir zu viert ins Wohnzimmer, in dem nur die Kerze leuchtete und setzten sie davor und sangen. Und dann kamen mir doch ein paar Tränen und ich konnte kaum fertig singen. Die Holzeisenbahn war ganz schnell auseinander genommen und eigentlich alles noch sehr uninteressant. Vormittags fuhren wir zu den Großeltern, bei denen zwei Tage später die große Feier stattfinden sollte, beeilten uns jedoch, weil wir an einen See wollten. Zum Geburtstag etwas besonderes – der erste Seebesuch! Und sie haben es geliebt! Das Wasser war deutlich kälter als der Pool beim Babyschwimmen, aber rausgehen wollten sie gar nicht!

Nachmittags kamen die Großeltern zu Besuch und es gab Kuchen, bevor ein ereignisreicher Tag zuende ging. Zwei Tage später folgte dann die große Party mit allen Verwandten und Kinderfreunden bei schönstem Wetter im Garten zu Grill und Planschbecken.

Seitdem ist bereits wieder ein Monat vergangen und ich bin wieder arbeiten. Die ersten zwei Schulwochen sind vorüber und ich fühle mich, als wäre ich nie weg gewesen. Es tat gut wieder vor den Klassen zu stehen und weiß, dass es gut ist, wie es ist. Gleichzeitig vermisse ich natürlich auch die intensive Zeit mit meinen Kindern, aber das hat auch was Gutes: mein festes Vorhaben, keine Arbeit mehr mit nach Hause zu nehmen und die komplette Ablenkung durch meine Kinder lässt mich viel entspannter sein, als es noch ohne Kinder war. Bleibt nur abzuwarten, wie lange dieses Gefühl bestehen bleibt.

#48 // Vollzeit trotz Zwillinge? Ja!

Ende des Monats endet meine Elternzeit, Mitte August startet das neue Schuljahr. Dann heißt es für mich wieder: zurück zur Schule! „Aber du arbeitest nicht in Vollzeit, oder?“, werde ich sehr oft gefragt. Und schockiert angeguckt, wenn ich sage: „Doch!“

Mir graut es. Mir graut es vor einer Zeit, in der meine Kinder hauptsächlich von jemand anderem betreut werden. Mir graut es, dass ich die großen Entwicklungsschritte nicht selber miterleben werde, weil ich arbeiten bin. Mir graut es davor, was der Stress aus mir und meinen Umgang mit den Kindern machen wird. Doch warum arbeite ich dann in Vollzeit?

Des Geldes wegen. Da mein Mann noch studiert, sind wir auf mein Gehalt angewiesen. Mir bleibt also kaum etwas anderes übrig.

Vollzeit als Lehrer – was bedeutet das eigentlich? Ich arbeite an einer Grundschule, da bedeutet eine Vollzeitstelle 28 Schulstunden in der Woche. Macht also 5-6 Schulstunden am Tag, bedeutet bei mir an der Schule eine reine Anwesenheits-/ Unterrichtsverpflichtung von 7:45 Uhr bis 13:30 Uhr bzw. 14:20 Uhr. Im Anschluss folgt dann die Unterrichtsvor- und Nachbereitung (Korrekturen, nächsten Stunden vorbereiten usw.), an einem Tag in der Woche haben wir Konferenztag. Gerade in den ersten Wochen ist man dann an diesem Tag bis 15:30 Uhr oder sogar 18 Uhr in der Schule (und hat noch nichts vorbereitet usw.!). Von Elternabenden, Elterngesprächen, Teambesprechungen hab ich noch gar nichts geschrieben.

Wie will ich das schaffen? Mit viel Organisation. Ich hatte es bereits vor der Elternzeit so gemacht, dass ich einen langen Tag in der Schule hatte, an dem ich alles für eine Woche vorbereitet habe. Meistens war das der Freitag. Dann hatte ich Wochenende ohne Arbeit vor mir und unter der Woche auch mehr Zeit. Der Rest, was also nicht in der Schule gemacht werden kann, wird erledigt, sowie die Kinder im Bett sind. Es wird anstrengend, es wird grausam. Aber irgendwie wird es schon gehen. Ich denke mir immer: wenn ich es nicht probiere, kann ich es nicht beurteilen.

# 47 // Rückblickend…

Morgen sind sie 11 Monate alt. Der erste Geburtstag kommt immer schneller immer näher und ich werde sehr emotional, wenn ich daran denke. Vor einem Jahr zitterte ich um jeden Tag, den sie durchhalten sollen. War bereits im Mutterschutz und konnte mich von Tag zu Tag weniger bewegen.

Jetzt blicke ich auf eine aufregende und wunderschöne Zeit zurück. Sie hat viele Tränen gekostet, viele Nerven (tut es ja noch immer und das wird wohl nie aufhören), aber auch sehr viel Liebe, nie geahnte Emotionen und Glück, das sich nicht beschreiben lässt. Die negativen Gedanken an die Geburt verschwinden endlich. Heute ist wieder dieser „vor 11 Monaten lag ich im Kreißsaal“ Tag und es ist zu einem „da ist etwas ganz wunderbares passiert! Eine unglaubliche Erfahrung!“ geworden. Ist das alles wirklich fast ein Jahr her?

Ich denke zurück an alles, was in den 11 Monaten nicht gut gelaufen ist. Das Stillen. Das Weinen und das Gefühl, hilflos vor zwei weinenden Babys zu sitzen und nichts machen zu können, als immer jemanden weinen zu lassen. Wie ich verzweifelt vor ihnen saß, mitgeweint habe und irgendwann nur noch dachte „dann weint doch, wenn ihr euch nicht beruhigen lassen wollt!“. Heute bereue ich das. Es gibt Videos, wie sie weinen und es zerbricht mir das Herz. Ich weiß, dass ich damals völlig fertig war mit den Nerven und mein bestes gegeben habe. Doch heute denke ich mir: es hätte besser klappen können. Jetzt bereue ich es, dass ich nicht von Anfang an beide Kinder gleichzeitig getragen habe, es hätte so viel geholfen! Die ganze Stillproblematik ebenso. Es gibt Babykurse, die ich gerne noch gemacht hätte. Mit dem heutigen Wissen würde ich vieles anders machen. Aber die Zeit ist vorbei und sie kommt nicht wieder. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen und das heutige Wissen mitnehmen. Es bleibt der Wunsch, es zu wiederholen. Die Erfahrungen zu nutzen und es noch einmal besser zu machen. Doch wie das aussieht wird es ein Wunsch bleiben. Und ja, mit einem Kind wäre vielleicht auch vieles besser gelaufen. Direkt Zwillinge zu bekommen ohne Erfahrungen war wirklich eine Überforderung. Aber dafür wird es jetzt umso schöner! Diese zwei, ja fast Kleinkinder (!) zu sehen, wie sie gemeinsam durch die Gegend krabbeln, gemeinsam Neues entdecken, sich auch schon mal streiten und zusammenhalten. Jeder auf seine Art, jeder in seiner Entwicklungsgeschwindigkeit. Wie ein Kind etwas Neues kann und das zweite irgendwann aufholt und sogar wieder überholt.

Sie sind fast 11 Monate alt. Sie krabbeln, sie krabbeln die Treppen hoch, sie krabbeln auf die Couch und fallen rückwärts wieder runter. Man schafft es nicht sie vor Stürzen zu bewahren. Sie stehen überall, wo es nur irgendwie möglich ist und freuen sich. Sie wollen alleine essen, alles ausprobieren. Es macht mich so stolz zu sehen, was meine beiden Babys schon gelernt haben und wie sie sich weiter entwickeln. Doch die Gedanken an ein „es tut mir leid, dass ich es nicht besser machen konnte“ bleibt. Und wollen wiederholt werden.

# 46 // Heute vor neun Monaten…

NEUN Monate? Wirklich? Ohje. Ja.

Also was war vor neun Monaten? Gerade ist es 19:30 Uhr. Um 19:30 Uhr am 24.7. war ich in meinem Zimmer im Krankenhaus, die Einleitung hatte begonnen. Ich lag in dem Bett, bis diesem riesigen Bauch, alleine in einem Zwei-Bett-Zimmer auf der Wöchnerinnenstation. Draußen weinten Babys und ich versuchte meine Aufregung irgendwie zu kontrollieren. Immer wieder ging ich auf Toilette, aus Angst, die Blase könnte schon gesprungen sein. Nichts. Mein Mann ging irgendwann nach Hause, noch einmal Schlaf bekommen, bevor es los geht. Ich guckte Dr House auf meinem iPad. Gegen 22 Uhr kam die unfähige überforderte Hebamme für ein CTG, das nicht richtig funktionierte. Ein Kind war nie zu hören, ich sollte jedoch genauer beobachtet werden, eben wegen der Einleitung. Jedoch brach sie es irgendwann mit den Worten „ach, auch egal“ ab und ich konnte schlafen. Theoretisch. Ich war so aufgeregt, keine Liegeposition war bequem, draußen weinten Babys, in einer anderen Umgebung schlaf ich sowieso schlecht. Mit gefühlt keinem Schlaf ging ich, wie unzählige Male zuvor, um 3:40 Uhr zur Toilette und verlor auf dem Weg einen Schwall Wasser…… es ging los.

Wie die Geburt weiter geht hab ich ja bereits geschrieben. Es ist wieder einer dieser Tage und generell überlege ich schon lange, ob ich das hier schreiben soll. Mittlerweile sind neun Monate vergangen und ich hänge weiterhin total drin. Ich hab mittlerweile das Geburtsprotokoll und bin das mit meiner Hebamme gemeinsam durchgegangen. Das tat wirklich gut. Sie konnte mir zu vielen Punkten was sagen, warum wie entschieden werden konnte.

Fakt ist:

  1. Manchmal frage ich mich, ob ich es ohne PDA geschafft hätte. Ich hätte es so gerne so natürlich wie möglich gemacht und manchmal mach ich mir deswegen Vorwürfe. Und frage mich, ob es vieles verlangsamt hat. Letztendlich weiß ich aber: ich hab mein bestes versucht. Ich konnte nicht mehr. Ich hatte keine Kraft mehr die Schmerzen auszuhalten, die einfach keine Pause nahmen und immer mehr wurden. Jetzt weiß ich auch, dass ich gut entschieden habe, da ich noch wirklich lange danach gebraucht habe. Der Muttermund war immerhin erst gegen 23 Uhr vollständig geöffnet, 19 Stunden nach Wehenbeginn. Und dann dauerte es noch mal   gut 4 Stunden, bis alles vorbei war.
  2. Ich hab mich immer gefragt, ob die Geburt ohne Einleitung besser gewesen wäre. Weniger unter Dauerwehenschmerz, sondern mit einem Kommen und Gehen. Ob alles schneller gewesen wäre, wenn die Kinder selber entschieden hätten, dass es los geht. Antwort: Vermutlich nicht. An der Einleitung lag das alles nicht. Vielleicht war ich angespannter, weil ich bereits im Krankenhaus war, nicht geschlafen habe, aufgeregt und wusste, dass es losgehen wird. Zu viel Anspannung innerlich. Letztendlich wird man es aber nie wissen.
  3. Ein Punkt, bei dem mir bei der Erklärung und dem erneuten Durchgehen wirklich anders wurde, war Jonas Geburt. Er brauchte ewig, er wollte einfach nicht raus. Ich presste und presste und presste (laut Bericht 20 Minuten, jedoch begann ich wesentlich früher damit, gegen 23 Uhr sind meine ersten Versuche aufgeschrieben, er kam um 00:41 Uhr…). Als sie mir jetzt erklärt hat, dass es eine extrem knappe Entscheidung zwischen Kaiserschnitt und Saugglocke war kamen mir die Tränen. Ich bin dankbar für das kompetente Team, das ich um mich hatte. Das mich hat probieren lassen, ob er sich überhaupt in der Presswehe nach unten bewegt. Er lag noch immer in der Beckenmitte, viel zu weit oben bei viel zu schlechten Herztönen.  Es musste sehr schnell gehen. Doch er bewegte sich, nach drei Presswehen war er dann endlich geholt.

Es war sehr emotional alles noch einmal durchzuarbeiten. Es hat mir sehr viel gebracht. Aber abschließen kann ich noch immer nicht. Mein Problem ist, dass ich Angst habe, dass es wirklich das letzte und einzige Mal gewesen sein könnte all diese Erfahrungen gemacht zu haben. Von Schwangerschaft, Vorbereitung, Geburt, Neugeborenes, Stillzeit. Ich klammer mich daran fest und kann nicht loslassen.

Und jetzt bin ich fast mit dem Kangatraining durch und muss auch da bald loslassen, dann bin ich komplett raus aus der Hebammenpraxis, vom Kontakt mit meiner Hebamme, mit den wunderbaren Menschen dort. Es fällt mir sehr schwer.

 

# 45 // Urlaub in Dänemark

Für acht Tage sind wir nach Dänemark gefahren. Es ging nach Søndervig an die Nordseeküste in ein Ferienhaus gemeinsam mit meinen Eltern. Das Haus hatte bereits ein Reisebett und einen Kinderhochstuhl, einen zweiten Stuhl haben wir dazu gemietet und ein Bett mitgenommen. Leider war der Kinderhochstuhl nicht für Babys geeignet, weshalb wir kostenlos einen zweiten abholen konnten. Kinderfreundlichkeit können die Skandinavier eben.

Die Anfahrt war stressig. Beide Kinder waren mit Magen-Darm-Problemen angeschlagen, haben wenig gegessen und Jonas konnte auch nicht schlafen, ohne auf dem Arm zu sein, was im Auto echt lange gedauert hat, bis er im Sitz eingeschlafen ist. Wir machten drei Pausen, bei denen sie sich auf einem Rasen ausstrecken und etwas bewegen durften. Dazu wurde gefüttert und im Auto gewickelt. Für den Urlaub liehen wir uns die V-Klasse der Schwiegereltern aus, sodass beide in der zweiten Sitzreihe (drehbare Sitze) sitzen konnten und ich in der dritten ihnen gegenüber. Im Laufe des Urlaubs erkannte ich jedoch, wie einfach es ist die Kinder in den Autositzen zu füttern. Geht im Notfall eben auch. Kurz vor der Ankunft begann auch ich krank zu werden und somit quälten wir uns wirklich bis ans Ziel. Umso schöner war es, endlich die Meeresluft in der Nase zu haben und Unterstützung meiner Eltern zu haben, da ich mit Fieber auf die Couch sank und fast zeitgleich mit den beiden ins Bett fiel.

Die Kinder im Ferienhaus zum Schlafen zu bekommen gestaltete sich schwieriger als gewohnt. Die neue Umgebung war einfach zu ungewohnt, das Zimmer (ein eigenes für sie, in unser Schlafzimmer hätten sie nicht mit reingepasst) durch ein Handtuch abgedunkelt und die Türen dämpften kaum Geräusche ab. Doch irgendwann ging es.

Jonas schlief gegen 5 Uhr nicht wieder ein und musste mit zu uns ins Bett – eine Herausforderung für uns. Zuhause haben wir ein 1,80m Bett mit zwei getrennten Matratzen. Das ist besonders wichtig, da sie die Grenze aufzeigt, wie weit jeder gehen darf. Wir sind Einzelschläfer, ohne Körperkontakt, viel Freiraum für jeden. Und dank der 1,80m passen auch beide Kinder zwischen uns, sollte es nötig sein (oder ins Beistellbett neben mich). Im Ferienhaus „quetschten“ wir uns auf 1,40m zusammen und als dann das erste Kind zwischen uns kam ging gar nichts mehr. Musste dann auch das zweite dazu war an Schlaf kaum noch zu denken. Die Vorfreude auf das eigene Bett war wirklich riesig ;)

Eine Umstellung war auch ohne Küchenwaage oder Wasserkocher mit 40°C Einstellung zu arbeiten. Das Getreidepulver wurde mit Augenmaß eingefüllt und das Wasser war oft zu kalt, aber es funktionierte schon irgendwie. Urlaub – Abstriche machen und einfach mal entspannter an alles rangehen!

Die Zeit im Ferienhaus war (bis auf die Schlafsituation) wirklich sehr entspannt. Beide saßen mit uns am Tisch, spielten sonst auf dem Boden oder kamen bei gutem Wetter mit raus auf die Terrasse, wo wir eine Decke über die Holzplanken legten. Leider gab es jedoch kaum einen schattigen Fleck, aber auch nicht viele sonnige Tage. Die Terrasse war rundherum durch einen Zaun begrenzt, sodass sie auch nicht wegrobben konnten. Zum Haus gehörte eine Schaukel, für die wir sogar eine Babyschaukel zum Reinsetzen gefunden haben. Steckdosen waren alle ungesichert, jedoch waren selten welche auf Fußbodenhöhe vorhanden oder dann per Kippschalter ein- und auszuschalten.

Unterwegs hatten wir, sogar mit dem Zwillingskinderwagen, selten Einschränkungen. Passten wir durch eine Tür zu einem Geschäft nicht durch, wurde sie selbstverständlich für uns weiter geöffnet oder einer wartete draußen mit den Kindern. Der am nähesten gelegene Supermarkt war auch ohne Probleme zugänglich.

Zum Strand ging es mit den Tragen, da dieser dort nur über Dünen zu erreichen ist. In den Orten gibt es häufiger gepflasterte Übergänge, jedoch nicht im Ferienhausgebiet. Dort angekommen konnten wir die beiden das erste Mal mit Strand und Sand bekannt machen und es war wunderbar!

Das Highlight der Reise war der Ausflug ins Legoland Billund. Empfehlenswert ist es jedoch eher ab 3 Jahren, so richtig spannend wird es vermutlich erst mit 10-12 Jahren, wenn alle Achterbahnen gefahren werden können. So wartete meistens jemand am Kinderwagen, während die anderen die Attraktionen besuchten. Es war ein Spaß! Für ganz kleine Kinder gibt es das Duploland, wo Duplohäuser in groß zum Spielen aufgestellt sind. Mit den beiden Babys konnten wir immerhin vier Attraktionen besuchen: Die Einschienenbahn, die selbstfahrenden Sarafiautos, die Boote und die Eisenbahn. Bei allen Attraktionen fährt man gemütlich rum und kann sich die Landschaften aus Legosteinen angucken, was wirklich sehr sehenswert ist! Zum Abschluss ging es in den großen Legoladen, wo auch einiges an Geld gelassen wurde. Mittlerweile besitzen wir einige Duplo-Sets, die jedoch frühestens ab 1,5 Jahren empfohlen sind. Mama hat aber ihren Spaß ;)

Nach acht Tagen ging es für uns zurück nach Berlin. Die Rückfahrt klappte wesentlich besser als die Hinfahrt! Alle waren gesund, die Kinder schliefen viel mehr als auf der Hinfahrt und somit kamen wir sogar mit nur zwei Stopps durch.

Dänemark mit Kindern – immer wieder!

Der letzte Urlaub außerhalb der Ferienzeiten bis zur Rente. Seufz.

# 44 // Zwillinge tragen

Heute kam mein Paket mit den neuen Tragemöglichkeiten an, sodass ich beide Kinder tragen kann. Bestellt habe ich mir eine WrapStar von Kokadi und ein Tragetuch. Beides lässt sich super mit meiner Ruckeli kombinieren. Dafür lege ich mir zuerst die WrapStar ohne Kind um (bereits über den Rücken kreuzen), anschließend die Ruckeli, setze in diese ein Kind rein und bringe es ganz normal auf den Rücken. Danach kann ich in die WrapStar das zweite Kind von oben reingleiten lassen, zuschnüren und fertig! Beim ersten Versuch saß alles noch etwas schief, aber das sollte bald gehen.

Für die Tragetuchvariante kann ich das Rückenkind direkt nach hinten bringen und hänge das Tuch dann durch die Schultergurte in die Trage ein. Dafür habe ich den Beutel vor mir und ziehe beide Enden durch die Schultergurte, setze das Kind rein und wickel das Tuch unter den Beinen zusammen, führe es nach hinten und schließe es. Dies konnte ich jedoch heute noch nicht mit Kindern ausprobieren (mit Tragepuppen hab ich es jedoch schon gemacht) und werde da morgen weiter üben.

Warum habe ich mir beides gekauft? Die Tuchvariante finde ich erst mal praktischer und im Alltag schneller umzusetzen. Hauptsächlich für Situationen, wenn der Wagen geparkt ist und ich mit beiden Kindern tragend weiter muss (Kinderarzt, Physiotherapie, da steht der Wagen vor der Tür und ich müsste zwei mal laufen und sie momentan auch auf den Boden legen, was ich nicht möchte). Die Half-Buckle hingegen werde ich garantiert auch einzeln nutzen, da es ein wunderschönes Tragegefühl ist, keine Schultergurte zu spüren, sondern einfach nur Tuch. Ich freue mich sehr darauf, beide im Alltag zu testen und zu sehen, wie weit ich mit ihnen kommen. Sind immerhin fast 18kg, die ich da mit mir rumtrage!