#50 // Willkommen im neuen Alltag

Seit Ewigkeiten nehme ich mir einen neuen Bericht vor. Die Kita hat Anfang September angefangen und mittlerweile gehen sie schon 1,5 Monate dahin! Die Eingewöhnung hat mein Mann gemacht, da ich bereits wieder arbeiten bin. Und es war, wie zu erwarten, komplikationslos. Lena war vom ersten Tag an glücklich dort und spielte und suchte Kontakt zu anderen Kindern und den Erziehern. Jonas hat etwas länger gebraucht, ließ sich aber auch von Anfang an gut beruhigen. Drei Tage mit kompletter Begleitung für eine Stunde, dann die erste kurze Trennung am vierten Tag, die sehr schnell immer mehr wurde. Und jetzt bringen wir sie um 7 Uhr hin und holen sie meist gegen 15 Uhr ab. Sie sind müde vom Alltag und es tut mir wirklich weh, sie so lange dort lassen zu müssen. Zuhause merkt man aber kaum einen Unterschied zu vorher. Es scheint sie kaum zu belasten. Bis auf die Tatsache, dass sie wirklich sehr müde sind. Seit Kitabeginn haben wir nur noch einen Mittagsschlaf. Wenn sie ausschlafen können schlafen sie bis 6 oder 7 Uhr, mittags 1 – 1,5 Stunden und um 18 Uhr fallen sie völlig erschöpft ins Bett. Nachmittags holen wir ganz viel nach, was wir am Vormittag verpasst haben. Kuscheln, rumtoben, gemeinsam spielen. Beobachten, was sie alles neues können. Kurz vor Kitabeginn haben sie ersten Schritte gemacht, seit der Kita liefen sie immer schneller immer selbstständiger und man merkt, dass sie von den älteren Kindern profitieren. Sie bewegen sich nun zu Musik mit einstudierten Bewegungen, versuchen immer mehr zu reden und kommunizieren ganz anders mit uns. Jonas ist endlich viel entspannter als vorher und mittlerweile darf auch ich mit ihm kuscheln (vorher ausschließlich Papa!). Lenas bestes Wort ist „bitte“ und sie wird nicht müde es immer zu sagen.

Für mich ist der neue Alltag eine Umstellung gewesen. Ich arbeite und bin mit den Gedanken nur bei der Arbeit. Danach beeile ich mich nach Hause, weil ich die Kinder am liebsten mit abholen gehen möchte. Donnerstag bleib ich jedoch länger und bereite meine Schultage vor. Freitags bin ich in der Uni und studiere Sonderpädagogik. Es funktioniert alles irgendwie, mit einem Terminkalender und einem durchgetakteten Tagesablauf. Vermutlich ist es auch das, was den Kindern Sicherheit gibt: sie wissen genau, wann was passiert und es ist an jedem Tag das gleiche.

Kindkrank waren wir mittlerweile auch. Oft am Wochenende, einmal unter der Woche. Eine fiebrige Erkältung legte uns nacheinander flach. Lena konnte in die Kita, Jonas blieb zuhause und das tat richtig gut. Für beide. Lena mal ohne ihren Bruder, Jonas mal die ganze Mamaaufmerksamkeit alleine.

Ich genieße es, wie der Alltag immer entspannter wird. Sie schlafen öfter auch mal eine Nacht komplett durch, wir haben uns von Breien und Milchpulver verabschiedet, sie essen ganz normal und trinken normale Milch, wenn sie denn welche benötigen. Sie können nun die Treppen alleine rauf und runter gehen (oder rutschen… wenn sie denn wollen….), laufen alleine durch die Gegend und werden immer selbstständiger. Aber gleichzeitig denke ich gerne an die Babyzeit zurück. An diese kleinen Wesen, die mich völlig überfordert haben, mich in die Verzweiflung getrieben haben und doch so unglaublich liebenswürdig waren und aus mir einen völlig neuen Menschen gemacht haben. Ich denke noch immer oft zurück an die Schwangerschaft, die ganze Vorfreude, an die Geburt, die nicht so lief wie gehofft, mit der ich jedoch mittlerweile meinen Frieden geschlossen habe (Vergessen sei dank!). Ich vermisse die Babykurse, den intensiven Austausch mit anderen Müttern im persönlichen Gespräch, für den man jetzt kaum noch Zeit hat. Die vielen Spaziergänge im Kinderwagen. Bei vielem denke ich, wie viel einfacher es gewesen wäre, wenn wir nur ein Kind bekommen hätten. Wie viel entspannter es gewesen wäre. Aber gleichzeitig ist es auch wieder so etwas schönes besonderes, Zwillinge zu haben!

Es sind nun fast 15 Monate Zwillinge. Fast 15 Monate Mama sein. Fast 15 Monate Familie sein. Rückblickend finde ich, dass ich da wirklich entspannt durch die Zeit gegangen bin. Ich vermisse nichts aus der Zeit vor ihnen (manchmal meine intensiven Sportphasen, als ich täglich gehen konnte… aber das wars auch!). Sie waren mein riesengroßer Herzenswunsch, der mir erfüllt wurde (also… ein Kind war der Wunsch… nicht Zwillinge zu haben!) und für den ich jeden Tag einfach nur dankbar bin. Dankbar für eine komplikationslose Schwangerschaft, Babyzeit, Kleinkinderzeit bis hierhin. Zwei gesunde Kinder, die mich täglich zum Lachen bringen, mir Emotionen zeigen in einem Ausmaß, das ich vorher nicht kannte. Die mich vor Verzweiflung schreien lassen, bis ich heiser bin. Die mir Tränen in die Augen treiben – meistens vor Glück.

Ich bereue nichts. Keinen einzigen Tag.

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