# 46 // Heute vor neun Monaten…

NEUN Monate? Wirklich? Ohje. Ja.

Also was war vor neun Monaten? Gerade ist es 19:30 Uhr. Um 19:30 Uhr am 24.7. war ich in meinem Zimmer im Krankenhaus, die Einleitung hatte begonnen. Ich lag in dem Bett, bis diesem riesigen Bauch, alleine in einem Zwei-Bett-Zimmer auf der Wöchnerinnenstation. Draußen weinten Babys und ich versuchte meine Aufregung irgendwie zu kontrollieren. Immer wieder ging ich auf Toilette, aus Angst, die Blase könnte schon gesprungen sein. Nichts. Mein Mann ging irgendwann nach Hause, noch einmal Schlaf bekommen, bevor es los geht. Ich guckte Dr House auf meinem iPad. Gegen 22 Uhr kam die unfähige überforderte Hebamme für ein CTG, das nicht richtig funktionierte. Ein Kind war nie zu hören, ich sollte jedoch genauer beobachtet werden, eben wegen der Einleitung. Jedoch brach sie es irgendwann mit den Worten „ach, auch egal“ ab und ich konnte schlafen. Theoretisch. Ich war so aufgeregt, keine Liegeposition war bequem, draußen weinten Babys, in einer anderen Umgebung schlaf ich sowieso schlecht. Mit gefühlt keinem Schlaf ging ich, wie unzählige Male zuvor, um 3:40 Uhr zur Toilette und verlor auf dem Weg einen Schwall Wasser…… es ging los.

Wie die Geburt weiter geht hab ich ja bereits geschrieben. Es ist wieder einer dieser Tage und generell überlege ich schon lange, ob ich das hier schreiben soll. Mittlerweile sind neun Monate vergangen und ich hänge weiterhin total drin. Ich hab mittlerweile das Geburtsprotokoll und bin das mit meiner Hebamme gemeinsam durchgegangen. Das tat wirklich gut. Sie konnte mir zu vielen Punkten was sagen, warum wie entschieden werden konnte.

Fakt ist:

  1. Manchmal frage ich mich, ob ich es ohne PDA geschafft hätte. Ich hätte es so gerne so natürlich wie möglich gemacht und manchmal mach ich mir deswegen Vorwürfe. Und frage mich, ob es vieles verlangsamt hat. Letztendlich weiß ich aber: ich hab mein bestes versucht. Ich konnte nicht mehr. Ich hatte keine Kraft mehr die Schmerzen auszuhalten, die einfach keine Pause nahmen und immer mehr wurden. Jetzt weiß ich auch, dass ich gut entschieden habe, da ich noch wirklich lange danach gebraucht habe. Der Muttermund war immerhin erst gegen 23 Uhr vollständig geöffnet, 19 Stunden nach Wehenbeginn. Und dann dauerte es noch mal   gut 4 Stunden, bis alles vorbei war.
  2. Ich hab mich immer gefragt, ob die Geburt ohne Einleitung besser gewesen wäre. Weniger unter Dauerwehenschmerz, sondern mit einem Kommen und Gehen. Ob alles schneller gewesen wäre, wenn die Kinder selber entschieden hätten, dass es los geht. Antwort: Vermutlich nicht. An der Einleitung lag das alles nicht. Vielleicht war ich angespannter, weil ich bereits im Krankenhaus war, nicht geschlafen habe, aufgeregt und wusste, dass es losgehen wird. Zu viel Anspannung innerlich. Letztendlich wird man es aber nie wissen.
  3. Ein Punkt, bei dem mir bei der Erklärung und dem erneuten Durchgehen wirklich anders wurde, war Jonas Geburt. Er brauchte ewig, er wollte einfach nicht raus. Ich presste und presste und presste (laut Bericht 20 Minuten, jedoch begann ich wesentlich früher damit, gegen 23 Uhr sind meine ersten Versuche aufgeschrieben, er kam um 00:41 Uhr…). Als sie mir jetzt erklärt hat, dass es eine extrem knappe Entscheidung zwischen Kaiserschnitt und Saugglocke war kamen mir die Tränen. Ich bin dankbar für das kompetente Team, das ich um mich hatte. Das mich hat probieren lassen, ob er sich überhaupt in der Presswehe nach unten bewegt. Er lag noch immer in der Beckenmitte, viel zu weit oben bei viel zu schlechten Herztönen.  Es musste sehr schnell gehen. Doch er bewegte sich, nach drei Presswehen war er dann endlich geholt.

Es war sehr emotional alles noch einmal durchzuarbeiten. Es hat mir sehr viel gebracht. Aber abschließen kann ich noch immer nicht. Mein Problem ist, dass ich Angst habe, dass es wirklich das letzte und einzige Mal gewesen sein könnte all diese Erfahrungen gemacht zu haben. Von Schwangerschaft, Vorbereitung, Geburt, Neugeborenes, Stillzeit. Ich klammer mich daran fest und kann nicht loslassen.

Und jetzt bin ich fast mit dem Kangatraining durch und muss auch da bald loslassen, dann bin ich komplett raus aus der Hebammenpraxis, vom Kontakt mit meiner Hebamme, mit den wunderbaren Menschen dort. Es fällt mir sehr schwer.

 

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