# 43 // Hallo, liebe Mama-Blase…

… du bist wirklich sehr angenehm und ich genieße dich. Hier in dir, mit meiner kleinen Familie. Es dreht sich alles um die Kinder, man verfolgt jeden kleinen Fortschritt, tauscht sich mit anderen Mamas aus und verfolgt genauso interessiert deren Fortschritte. Interessant sind allgemeine Elternthemen, es dreht sich um Entwicklung, Förderung, die Zukunft der Kinder. Die Kita-Platz Situation und die Fehlplanungen der Schulen mit viel zu großen Schülerzahlen sind die Sorgen, die einen beschäftigen, ganz neben den gesundheitlichen Wehwehchen und den nächsten Schreiattacken des Nachwuchses. Man schwelgt in Erinnerungen der Schwangerschaft, geht immer wieder in seinem kleinen Umfeld an den Orten vorbei, die währenddessen wichtig waren und denkt zurück. Das große Stadtleben ist weit weg, alles was man braucht, hat man vor der Haustür und muss mit den Kindern keinen großen Weg zurücklegen. Volle U-Bahnen? Verspätete Busse? Stau? All das ist in der Mama-Blase unwichtig. Man muss sowieso mehr Zeit einplanen, gelassen sein. Der Weg vom Fahrstuhl zur Bushaltestelle ist eben weiter, als wenn einfach die Treppen nehmen könnte. Der Bus hat bereits einen Rollstuhlfahrer und zwei Kinderwagen drin? Dann muss man eben noch mal 10 Minuten auf den nächsten warten. Man lernt es schnell. Die große Sorge sind defekte Fahrstühle, die einen Umweg erforderlich machen, weil Treppen mit einem Zwillingskinderwagen absolut nicht möglich sind. Ach, wenn man doch nur immer diese Sorgen hätte.

Aber nein, liebe Mama-Blase. So schön ich dich auch finde, es wird langsam Zeit. Das habe ich heute gemerkt. Knapp vier Stunden außer Haus, in der Schule, im Gespräch mit Kollegen. Sich wieder um „alte“ Probleme sorgen, Planungen für das neue Schuljahr treffen, Verabredungen mit Kollegen ausmachen. Den neusten Tratsch erfahren und sich mal wieder auf den aktuellen Stand bringen. Sich ohne Kinderwagen in einen vollen Bus quetschen, genervt sein von den intelligenten Schülern, die es super lustig finden in der Tür zu stehen und immer wieder den Knopf zu drücken, sowie sie zugehen. Mal nicht von jeder Oma mit einem „Ach sind die süß, Zwillinge?!“ begrüßt zu werden. Die Kopfhörer auf den Ohren zu haben, das Buch auszupacken und abzutauchen. Und dann komme ich nach Hause und merke: „Hey, du hast jetzt mal vier Stunden nicht daran gedacht, dass du der ganzen schönen Schwangerschafts- und Babyzeit hinterher trauerst!“ und merke, dass es gut tat. Abgelenkt zu sein, mal wieder über etwas anderes zu reden, als Babys. Mal wieder das „alte Leben“ zu haben.

Liebe Mama-Blase, du bist wirklich nützlich. Du hast mir eine Auszeit vom stressigen Alltag gegeben, tust es immer noch. Und wirst es auch hoffentlich noch tun, wenn ich aus der Schule nach Hause komme und meine Kinder wieder bei mir habe. Aber nein, ich brauche dich nicht rund um die Uhr. Ich brauche auch einen Teil meiner alten Probleme und Sorgen, die mich ablenken. Das ist mir heute bewusst geworden. So traurig ich auch bin, dass ich nur noch vier Monate Elternzeit vor mir habe (aaaah, was???), desto mehr freue ich mich aber auch wieder auf einen geregelten Alltag. Einen neuen Alltag. Der neuen Herausforderung, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen.

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